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mAIS sucht den richtigen Bus
Kieler Nachrichten vom 29.01.2007

Informationssystem für Behinderte im Test

Kiel – Ein Rentner – nennen wir ihn Peter Mustermann – ist stark sehbehindert; er kann weder den Busfahrplan noch die elektronische Anzeigetafel an der Haltestelle lesen. Herr Mustermann drückt ein paar extra große Tasten auf seinem seniorenfreundlichen Handy und eine Stimme sagt ihm, welcher Bus wann in welche Richtung fährt.

(Von Jürgen Küppers)

Weil diese Neuerungen nicht nur einen technischen, sondern auch einen sozialen Aspekt hat, gab es zur Entwicklung des Projektes auch Zuschüsse von EU und Land. Beide finanzierten rund 60 Prozent der 55000 Euro, die die V.V.I.P. als Aufgabenträgergesellschaft für den Nahverkehr in Kiel in die elektronische Zusatzausstattung investierte. Dafür darf das Projekt auch den schmucken Titel "mAIS" tragen, der so viel bedeutet wie "mobiles Automatisches Informationshilfe System".

Und so funktioniert "mAIS": Per Handy-Tastendruck wird zunächst der Standort des Fahrgastes mit Hilfe eines kleinen Kästchens mit einem Sender an der Haltestelle – einer sogenannten Bluetooth-Bake – ermittelt.

Gleichzeitig geht das Handysignal über eine Internet-Datenleitung in das Rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) der KVG. Das RBL wiederum "weiß" genau. wo die Busse gerade sind und wann sei bei welcher Haltestelle eintreffen. Diese Informationen bekommt dann der Fahrgast innerhalb von Sekunden auf sein Handy – entweder per Schrift, per Sprache oder durch bestimmte Vibrationsmuster. "Damit ist sichergestellt, das alle Fahrgäste mit einem Handicap welcher Art auch immer von dem System profitieren", erklärt der Flensburger Diplom-Ingenieur und "mAIS"-Projektmanager Hans Protschka.

Nach Entwicklung des Systems erfolgt nun die Erprobung, die in Kiel ab dem 5.Februar startet. Zehn Probanden testen das System zwei wochen lang. Dafür wurden die vier KVG-Haltestellen Andreas-Gayk-Straße, Ziegelteich, Karlstal und Lanziusstraße mit Bluetooth-Baken ausgestattet. Im März solle eine zweite Testreihe mit 20 Versuchspersonen starten. Ebenfalls erprobt wird das System in Flensburg und Neumünster. Ob und wann "mAIS" danach in Kiel zum Einsatz kommen könnte, ließ KVG-Chef Bernd Wölfel bei der Vorstellung des Projekts offen: "Zunächst bleibt die Marktreife des Systems abzuwarten, und dann müssen die Kosten unter die Lupe genommen werden". Dennoch glaubt Wölfel grundsätzlich an den Nutzwert von "mAIS": "Es wäre ein sinnvoller, guter Service, mit dessen Hilfe wir unseren Kundenkreis erweitern könnten."

Bleibt die Frage nach den Kosten für die Nutzer von "mAIS". Nach Angaben von Hans Protschka reicht für die Nutzung des Systems ein modernes, marktübliches Mobiltelefon, das es auch in senioren- oder behindertenfreundlichen Ausführungen gebe.

Dazu kommen Kosten für die Nutzung einer Datenleitung. Der derzeit günstigste mit einem Volumen von 30 Megabyte koste pro Monat 8,60 Euro. Für Menschen, die sonst garnicht oder nur mit großen Hürden, den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen könnten, ist die nach Protschkas Einschätzung ein akzeptabler Preis, "vor allem dann, wenn das System wie geplant bundesweit und auch für den Schienenverkehr zu nutzen ist".

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